{"id":80,"date":"2009-12-22T14:15:58","date_gmt":"2009-12-22T13:15:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.buecherbaum.eu\/?page_id=80"},"modified":"2015-09-02T21:49:54","modified_gmt":"2015-09-02T20:49:54","slug":"texte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.buecherbaum.eu\/?page_id=80","title":{"rendered":"Texte \/ texts"},"content":{"rendered":"<div class=\"fcbkbttn_buttons_block\" id=\"fcbkbttn_left\"><div class=\"fcbkbttn_button\">\n                            <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/\" target=\"_blank\">\n                                <img src=\"https:\/\/www.buecherbaum.eu\/wp-content\/plugins\/facebook-button-plugin\/images\/standard-facebook-ico.png\" alt=\"Fb-Button\" \/>\n                            <\/a>\n                        <\/div><div class=\"fcbkbttn_like \"><fb:like href=\"https:\/\/www.buecherbaum.eu\/?page_id=80\" action=\"like\" colorscheme=\"light\" layout=\"standard\" show-faces='false' width=\"225px\" size=\"small\"><\/fb:like><\/div><\/div><h3>Kommentar zum Traum &#8211;\u00a0Hans-Karl Seeger (2008)<\/h3>\n<div>Tr\u00e4ume sagen etwas aus \u00fcber den, der sie tr\u00e4umt, und sie haben an diese Person eine Botschaft. Unabh\u00e4ngig aber vom Tr\u00e4umer ist der Traum vom \u201eB\u00fccherbaum auf der Gef\u00e4ngnismauer\u201c ein sehr sprechendes Bild: \u00dcber die Mauer hinweg verschaffen B\u00fccher den Gefangenen Zugang zu dem, was jenseits der Mauer ist und machen ihnen deutlich, da\u00df die Welt des Gef\u00e4ngnisses nicht alles ist. Das ist ebenso wichtig, wie au\u00dferhalb des Gef\u00e4ngnisses um Personen zu wissen, die zu einem halten.<\/div>\n<div>Die B\u00fccherverbrennungen aller Zeiten zeigen, wie gef\u00fcrchtet B\u00fccher wegen ihres Inhaltes waren und sind. Vielleicht sogar mehr als Waffen.<\/div>\n<div>Zu dem Traum pa\u00dft das Lied \u201eDie Gedanken sind frei\u201c. Der Tr\u00e4umer hat die Chance, alle Mauern, die es auch in seiner eigenen Person gibt, zu \u00fcberwinden. Eigentlich brauchten diese gar nicht zu existieren. In der Regel errichten wir solche Mauern selbst, um uns abzugrenzen, weil wir \u00c4ngste haben. In dem Lied \u201eMeine engen Grenzen\u201c bitten wir Gott, diese \u00c4ngste abzubauen.<\/div>\n<div>Es geht letztlich um den \u201eVictor in vinculis\u201c, den Sieger in Fesseln, angefangen von Jesus bis zu den Widerstandsk\u00e4mpfern: Sie waren als Gefangene freier als ihre W\u00e4rter. Sehr deutlich wird das an Karl Leisner, der im KZ Dachau zum Priester geweiht wurde. Er war ein Sieger in Fesseln. Bei der Priesterweihe benutzte sein franz\u00f6sischer Mith\u00e4ftling Bischof Gabriel Piguet von Clermont einen Bischofsstab mit der Inschrift \u201eVictor in vinculis\u201c, den Pater Makarius Spitzig OSB im KZ geschnitzt hatte. Ein fr\u00fche Beschreibung dieser Weihe wurde bereits 1947 von Domkapitular Reinhold Friedrichs in einem Sammelband mit dem Titel \u201eSieger in Fesseln\u201c ver\u00f6ffentlicht. (Hofmann Konrad, Schneider Reinhold, Wolf Erik, Sieger in Fesseln \u2013 Das christliche Deutschland 1933\u20131945, Freiburg 1947.)<\/div>\n<div>Der Jesuitenpater Alfred Delp schrieb aus der Haft an Pater Franz von Tattenbach SJ am 9. Dezember 1944: \u201eNun haben die \u00e4u\u00dferen Fesseln gar nichts mehr zu bedeuten, da mich der Herrgott der vincula amoris gew\u00fcrdigt hat.\u201c Am 23. Januar 1945 schrieb er in einem Taufbrief an Alfred Sebastian Ke\u00dfler: \u201eDies habe ich mit gefesselten H\u00e4nden geschrieben; diese gefesselten H\u00e4nde vermach\u2019 ich Dir nicht; aber die Freiheit, die die Fesseln tr\u00e4gt und in ihnen sich selbst treu bleibt, die sei Dir sch\u00f6ner und zarter und geborgener geschenkt.\u201c<\/div>\n<div>Hans-Karl Seeger<\/div>\n<h3>Traum vom B\u00fccherbaum &#8211; Gedicht 1 von Anne Kla\u00dfen (2008)<\/h3>\n<div>GP\u2019S\u2019s \u00a0\u201eTraum vom B\u00fccherbaum\u201c<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\"><a href=\"http:\/\/www.buecherbaum.eu\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/baum.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-81\" title=\"Baum\" src=\"http:\/\/www.buecherbaum.eu\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/baum-218x300.jpg\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.buecherbaum.eu\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/baum-218x300.jpg 218w, https:\/\/www.buecherbaum.eu\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/baum-744x1024.jpg 744w, https:\/\/www.buecherbaum.eu\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/baum.jpg 850w\" sizes=\"(max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/><\/a>Es war einmal der Traum vom Baum,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">der fest auf einer Mauer stand<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">und Au\u00dfenwelt mit Knast verband.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Ob Religion ob M\u00e4rchenwelt,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">den Traum kriegt man hier nicht f\u00fcr Geld.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Selber muss man denken,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">um Frieden sich zu schenken.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">In jedem guten Buch<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Steckt immer ein Besuch<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">in ferne Welten, andre Zeiten<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">die stets im Leben uns begleiten.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Und lernen richtig wir zu lesen,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">erkennen wir auch andre Wesen,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">die auf realer Ebne leben<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">und uns auch Gl\u00fcck und Frieden geben.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">AK 09\/08<\/div>\n<h3>&#8222;Traum-Baum&#8220; &#8211; Gedicht 2 von Anne Kla\u00dfen (2009)<\/h3>\n<div id=\"_mcePaste\">Ich hatte eines nachts den Traum<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">als ich in meiner Zelle lag.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Hinter\u2018m Gitter stand ein Baum,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">der mit mir wartet auf den Tag,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">an dem ich k\u00f6nnt das Gitter sprengen<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">und aus dem Knast ich k\u00f6nnt entfliehn<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">mich an des Baumes \u00c4ste h\u00e4ngen<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">und ungesehn von dannen ziehn.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Als ich am Morgen dann erwachte,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">da hab ich mir das Hirn zermartert,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">weil tief im Innern ich dran dachte,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">was mich dann wohl erwartet.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Ein Leben f\u00fchren auf der Flucht,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">mich immerfort verstecken,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">weil jeder ewig nach mir sucht,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">dabei w\u00fcrd ich verrecken.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Ermattet schlief ich wieder ein<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">und sah ihn wieder, diesen Baum.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Es konnte nicht der gleiche sein,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">es war ein neuer Traum.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Die Gitter war\u2018n geschlossen<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">der Baum stand nah am Haus,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">was aus den Zweigen kam geschossen<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">sah so unwirklich aus.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Es war weder Obst noch Bl\u00e4tter<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">nicht einmal der Versuch,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">es waren meine Lebensretter,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">an jedem Zweiglein hing ein Buch.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Ich konnte jedes einzeln pfl\u00fccken<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">es lesen und mich dran erfreu\u2018n,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">hier konnt ich selber mich begl\u00fccken<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">und braucht keine Flucht bereu\u2018n.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Als man nach langer Nacht mich weckte<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">da konnt ich\u2019s kaum erwarten,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">was ich heut Nacht im Traum entdeckte<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">in Wirklichkeit zu starten.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Die Sch\u00e4tze aus der B\u00fccherei<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">die konnte ich genie\u00dfen,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">sie machten innerlich mich frei<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">und lie\u00dfen Wissen sprie\u00dfen.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Dann kam das Ende meiner Haft,<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">die Zeit war wie im Flug vergangen;<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">ich hatte endlich was vollbracht<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">und brauchte nicht mehr bangen.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Ich danke dem, der es vollbracht<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">mir diesen Traum vom Baum zu geben;<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">denn damit habe ich ihn geschafft<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">DEN NEUBEGINN IM LEBEN!<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">A.K. 29.09.2009<\/div>\n<h3>Kommentar zum eigenen Bild\u00a0&#8211; Stephan Ahler \u00a0(2010)<\/h3>\n<p>In diesem Bild will der K\u00fcnstler die Beziehung zwischen innen und au\u00dfen zum Ausdruck bringen. Der Baum auf der Gef\u00e4ngnismauer erm\u00f6glicht es, dass es eine Wechselbeziehung zwischen der farbigen und grauen Welt gibt. Die Fenster im Gef\u00e4ngnis sind angeordnet um ein Kreuz. Mit diesem Kreuz erinnert der K\u00fcnstler an den Auftrag von Jesus Christus, Gefangene zu besuchen. Und in diesem Fall sind die B\u00fccher wie Besucher, die Licht in die Dunkelheit bringen k\u00f6nnen. Der Gefangene, der B\u00fccher liest, ist verbunden mit der ganzen Welt. So ist es f\u00fcr ihn wie eine Internetverbindung auf Papier. Es gibt ihm die Gelegenheit, etwas f\u00fcr seine eigene Bildung und Rehabilitation als ein Mitglied der Gesellschaft zu tun. B\u00fccher verbinden die Leute innerhalb und au\u00dferhalb der Gef\u00e4ngnismauer.<\/p>\n<div>\n<h3>Rap zum B\u00fccherbaumtraum &#8211; Lydia Peschers-Wagener (2010)<\/h3>\n<p>Refrain (je 2x):<br \/>\nHey, steh auf und leb den Traum,<br \/>\nleb den Traum vom B\u00fccherbaum,<br \/>\nlass uns \u00fcber \u00c4ngste siegen, grenzenlos ins Weite fliegen.<\/p>\n<p>Grenzen, Mauern, Zaun aus Draht,<br \/>\nkeiner sich dar\u00fcber wagt,<br \/>\ndu lebst dort und ich leb hier,<br \/>\nvieles trennt uns &#8211; glauben wir.<br \/>\nKomisch auf der ganzen Welt,<br \/>\nwerden Grenzen aufgestellt.<br \/>\nMittendrin in der Natur,<br \/>\nst\u00f6\u00dft man drauf, warum denn nur ?!<br \/>\nSelbst der Mensch, tief in sich drin,<br \/>\nbaut sich Mauern, wo ist Sinn ?!<br \/>\n\u201eEs ist zum Schutz, mein Kind.&#8220;, h\u00f6r ich.<br \/>\nDoch ehrlich, das versteh ich nicht.<br \/>\n\u201eDr\u00fcben ist die Welt viel rauer,<br \/>\ndeshalb brauchen wir ne Mauer.<br \/>\nSchutz vor anderen Gedanken,<br \/>\ndeshalb gibt es diese Schranken.&#8220;<\/p>\n<p>Refrain (je 2x):<br \/>\nHey, steh auf und leb den Traum,<br \/>\nleb den Traum vom B\u00fccherbaum,<br \/>\nlass uns \u00fcber \u00c4ngste siegen, grenzenlos ins Weite fliegen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6cht&#8216; so gerne weitergehn,<br \/>\nnicht nur bis zur Mauer sehn.<br \/>\nWill wissen, ob nicht auch vielleicht,<br \/>\nmir dort jemand die H\u00e4nde reicht.<br \/>\nGrenzen will ich \u00fcberwinden,<br \/>\nbis die \u00c4ngste alle schwinden<br \/>\nund ich wei\u00df wie man sie \u00f6ffnet<br \/>\nwie man Mauern unbewaffnet<br \/>\nleise \u00fcberwinden kann,<br \/>\nmit dem Traum fing alles an.<br \/>\nViele tausende Gedanken,<br \/>\nkeimen in Gedichten reimen<br \/>\nin Geschichten, oh so bunt<br \/>\nauf Bl\u00e4ttern drauf und machen kund,<br \/>\nwie es dir geht, oder mir,<br \/>\nwie es dr\u00fcben aussieht &#8211; hier.<\/p>\n<p>Refrain (je 2x):<br \/>\nHey, steh auf und leb den Traum,<br \/>\nleb den Traum vom B\u00fccherbaum,<br \/>\nlass uns \u00fcber \u00c4ngste siegen, grenzenlos ins Weite fliegen.<\/p>\n<p>Und mit ihrer Zauberkraft,<br \/>\ndie die Macht der Worte schafft,<br \/>\nkann man aus Gefangenschaft,<br \/>\nin andre Welten sich begeben,<br \/>\nund dort ohne Mauern leben.<br \/>\nUnd sei&#8217;s auch nur f\u00fcr kurze Zeit<br \/>\ndas befreit &#8211; dich und auch mich,<br \/>\ngenie\u00df es, komm und sei bereit.<br \/>\nUnd weil Gedanken im Blatt sind,<br \/>\nhaben sie &#8217;nen Baum f\u00fcr sich,<br \/>\nan dem sie wachsen und gedeihn,<br \/>\ndessen Wurzeln Kraft verleihn.<br \/>\nDie Wurzeln dieses Baums sind alt,<br \/>\naus Erde, Luft und Wasser ballt<br \/>\nsich alles Wissen samt Gedanken<br \/>\nin ihn drin, \u00fcberwindet Schranken.<\/p>\n<p>Refrain (je 2x):<br \/>\nHey, steh auf und leb den Traum,<br \/>\nleb den Traum vom B\u00fccherbaum,<br \/>\nlass uns \u00fcber \u00c4ngste siegen, grenzenlos ins Weite fliegen.<\/p>\n<p>Und verleiht dem Baum die Macht,<br \/>\ndie Frucht in seiner ganzen Pracht<br \/>\nan mich hier, und dich da dr\u00fcben,<br \/>\nzu verschenken, und wir fliegen,<br \/>\nvielleicht aufeinander zu,<br \/>\ndu und ich, ich und du,<br \/>\ndu und ich, ich und du<br \/>\ndu und ich, ich und du.<\/p>\n<p><em>Text: Lydia Peschers-Wagener, 05 \/ 2010<\/em><\/p>\n<h3>Gedicht\u00a01 &#8211;\u00a0Karl-Hein Eisenkopf\u00a0 (2010)<\/h3>\n<p><strong>Gedanken zum Traum vom B\u00fccherbaum auf einer Gef\u00e4ngnismauer<\/strong><\/p>\n<p>Tr\u00e4ume \u00f6ffnen Horizonte,<br \/>\n\u00fcberschreiten Zeit und Raum.<br \/>\nMauern sind da nicht mehr Grenzen,<br \/>\nsind bekr\u00f6nt mit einem Baum<\/p>\n<p>Wer sich anlehnt<br \/>\ndem st\u00e4rkt er den R\u00fccken,<br \/>\nf\u00fcllt mit Leben seinen Traum.<br \/>\nGuter Freund<br \/>\nB\u00fccherbaum.<\/p>\n<p>Deine Frucht ist Geistesnahrung,<br \/>\nLebenselixier und Seelenbrot.<br \/>\nSie ist Wegbegleitung, St\u00e4rkung, Hilfe,<br \/>\nvon der Wiege bis zum Tod.<\/p>\n<h3>Gedicht 2 &#8211;\u00a0Karl-Hein Eisenkopf\u00a0 (2010)<\/h3>\n<p><strong>Prolog<\/strong><\/p>\n<p>Im Buch der B\u00fccher ist der Baum,<br \/>\nSymbol f\u00fcr Unverg\u00e4nglichkeit des Lebens<br \/>\nim Schutze einer h\u00f6h\u2019ren Macht<\/p>\n<p>Doch die Missachtung des Gebotes,<br \/>\ndie Frucht des Baumes nicht zu essen,<br \/>\nhat Ausgrenzung und Tod gebracht<\/p>\n<p>Hab Ehrfurcht vor dem Quell des Lebens,<br \/>\nbewahr die Sch\u00f6pfung<br \/>\nUrsprung aller Lebenskraft<\/p>\n<p>Klagemauer zwischen Zeit und Ewigkeit<br \/>\nLass mich des Lebens Frucht in F\u00fclle ernten<br \/>\nUmkehr, Vergebung, Gnade statt Gerechtigkeit<\/p>\n<p><strong>Mauern<\/strong><\/p>\n<p>Vom Schutzwall, der Abgrenzung, der Ausgrenzung,<br \/>\nzum touristischen Besichtigunsangebot in Katalogen von Reiseveranstaltern<br \/>\nChinesische Mauer, Limes, Gettos in Rom-Prag-Warschau \u2026,<br \/>\nBerliner Mauer, Mauer zwischen Israel\/Pal\u00e4stina?!\u2026\u2026..<\/p>\n<p>Mauern trennen, Mauern sch\u00fctzen<br \/>\nk\u00f6nnen hindern, k\u00f6nnen n\u00fctzen<\/p>\n<p>Tore schaffen \u00dcberg\u00e4nge,<br \/>\nf\u00fchr\u2019n hinaus, und in die Enge<\/p>\n<p>B\u00e4ume k\u00f6nnen Mauern \u00fcberragen,<br \/>\nund sie k\u00f6nnen Fr\u00fcchte tragen<\/p>\n<p>Einst stand der Baum im Paradies,<br \/>\nbevor wir uns dort selbst vertrieben,<br \/>\nund Mauern bauten die es schlie\u00dft.<\/p>\n<p>Verbotne Fr\u00fcchte schaffen Mauern,<br \/>\nin Herzen, K\u00f6pfen und real.<br \/>\nMag man es sp\u00e4ter auch bedauern,<br \/>\nder Nachgeschmack ist fad und schal.<\/p>\n<p>Gefangen in der Weltgetriebe<br \/>\nfest eingeschlossen in der eignen kleinen Welt,<br \/>\nbleibt Sehnsucht nach der reinen Liebe,<br \/>\n-wo nur der Mensch als Mensch- und sonst nichts z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Der Traum vom Baum, der Grenzen \u00fcberragt und Mauern spreng<br \/>\nund in dem lauten Weltgetriebe,<br \/>\nuns rasten l\u00e4sst und innern Frieden schenkt,<br \/>\nder wurzelt in der Liebe.<\/p>\n<p>Traumbaum<br \/>\nB\u00fccherbaum<br \/>\nLebensbaum<\/p>\n<p>Baum der Erkenntnis<br \/>\nDeine Frucht ist bitter<br \/>\nDeine Frucht ist s\u00fc\u00df<br \/>\nDeine Wurzeln sprengen Kerkermauern,<br \/>\nja, sie reichen bis ins Paradies.<\/p>\n<h3>Kommentar zum eigenen Bild aus Matagalpa (Nicaragua) &#8211; Felipe R. A. P. (2010)<\/h3>\n<p>Mit diesem Bild konnte ich ausdr\u00fccken, dass wir, obwohl wir im Gef\u00e4ngnis sind, frei sind, viele wichtige Dinge zu lernen aus den B\u00fcchern, die Monat f\u00fcr Monat der B\u00fccherbau bringt.<br \/>\nDer Baum symbolisiert unser Wissen, das jeden Tag durch Lekt\u00fcre w\u00e4chst.<br \/>\nDas Buch ist unser Lehrer, der uns viele gute Dinge lehrt; so habe ich zum Beispiel gelernt, zu malen und zu zeichnen. Landschaften zu zeichnen, inspiriert mich.<br \/>\nDie Sonne f\u00fchrt mich zur Freiheit, zu neuen Zielen.<br \/>\nIch bin gl\u00fccklich und zufrieden, dass Gott mein Leben mit guten Menschen wie Ihnen gesegnet hat.<\/p>\n<p><em>s.a.: Radierung von Felipe R. A. P.\u00a0in der Bildergalerie<\/em><\/p>\n<h3>Kommentar zum Traum &#8211; G\u00fcnter Kunert (2010)<\/h3>\n<div>Der B\u00fccherbaum bl\u00fcht, w\u00e4chst und gedeiht in der Justizvollzugsanstalt M\u00fcnster wie\u00a0 auch in anderen Gef\u00e4ngnissen. Bibliothekare setzen sich selbstlos daf\u00fcr ein, da\u00df die Gefangenen ihre Zeit nicht mit leerem Tun oder sonstigen Nichtigkeiten verbringen, sondern etwas f\u00fcr ihr Wissen, f\u00fcr ihre Bildung, mit einem Wort gesagt: etwas f\u00fcr ihr Gehirn tun. Die Idee, Literatur zu den H\u00e4ftlingen zu bringen, ist dankenswert, und das Wort &#8222;B\u00fccherbaum&#8220;, womit gemeint ist, dessen Fr\u00fcchte w\u00fcchsen \u00fcber Mauern zu neuen Lesern, ergibt sich zwangsweise (wenn man das so nennen will) aus dem urspr\u00fcnglichen und unk\u00fcndbaren Zusammenhang von Buch und Baum. Kein Buch ohne Papier, kein Papier ohne Holz: eine unfreiwillige Ehe mit un\u00fcbersehbaren Folgen. Unsere Kultur, nicht allein die gegenw\u00e4rtige, beruht prim\u00e4r auf der Sprache. Und Sprache zu fixieren, bedarf es bekanntlich eines Materials, ergo: des Papiers. Diese besagte Ehe besteht nicht nur aus ihrer kulturellen Notwendigkeit, sie hat auch einen ambivalenten Zug. B\u00fccher zu machen m\u00fcssen ganze W\u00e4lder dranglauben. Was geistigen Gewinn bringt, stiftet auf der andern Seite Schaden. Das ist und bleibt das Grundgesetzt: jedes Ding hat zwei Seiten. Dagegen hilft kein Protest: jeder Nutzen bringt ebenso Nachteile mit sich. Die Dialektik unseres menschlichen Seins ist unaufhebbar. Wir sind zwar st\u00e4ndig herausgefordert, Gewinn und Verlust gegeneinander abzuw\u00e4gen, k\u00f6nnen aber den Entscheidungen nie entgehen. Im &#8222;B\u00fccherbaum&#8220; w\u00e4chst, zumindest metaphorisch, zusammen, was nun wirklich zusammengeh\u00f6rt.<br \/>\n28.07.2010\u00a0\u00a0 &#8211;\u00a0\u00a0 <em>s.a.: Radierung von G\u00fcnter Kunert in der Bildergalerie<\/em><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommentar zum Traum &#8211;\u00a0Hans-Karl Seeger (2008) Tr\u00e4ume sagen etwas aus \u00fcber den, der sie tr\u00e4umt, und sie haben an diese Person eine Botschaft. 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